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Verbraucherschützer gegen Aldi-Versicherungen

Tanya Schmidt
 
  

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Der Bund der Versicherten (BdV) kritisiert Pläne des Discounters Aldi, künftig auch Versicherungen anzubieten. Der BdV geht davon aus, dass in den Filialen keine ausreichende Beratung geboten werden kann. „Hausrat, Unfallversicherung oder Haftpflicht, da brauche ich eine Beratung, ich weiß sonst nicht, was ich mir beim Kauf einhandele“, sagte BdV-Geschäftsführerin Lilo Blunck.

„Macht die Aldi-Verkäuferin neben Kassieren, Regale auffüllen und Pfandflaschen entgegen nehmen auch noch Beratung? Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagte Blunck. Der Rat der Verbraucherschützerin: Aldi solle weiter Pasta und Butter verkaufen, aber keine Versicherungen.

Sinnvoll ist es nach Ansicht der BdV-Chefin allenfalls, dass Aldi zusätzlich zu den Reisen auch Reiseversicherungen anbietet. „Da brauchen Sie keine großartige Beratung“, sagte Blunck. Sie wies darauf hin, dass das Versicherungsrecht in Deutschland vor Abschluss eines Vertrags das Gebot der Beratung vorsehe. Gleichwohl dürfte sich Aldi mit den geplanten Angeboten im Rahmen der Gesetze bewegen: Hier trete der Discounter nur als „Tippgeber“ auf. Verantwortlich für die Auskünfte an die Verbraucher ist demnach der kooperierende Versicherungskonzern.

Laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ plant der Discount-Marktführer, in den 4000 Märkten von Aldi Nord und Aldi Süd Angebote zur Privathaftpflicht sowie zu Unfall-, Hausrat- und Reiseversicherungen. Die Policen würden zusammen mit Signal Iduna erstellt. Beim Versicherungskonzern wollte niemand eine Stellungnahme abgeben. Bei Aldi war zunächst niemand erreichbar.

Signal Iduna ist einer der größten Personenversicherer Deutschlands. Auch die Düsseldorfer Versicherer Arag und Rheinland verkauften in einer Aktion bis zum 5. April knapp 5000 Verträge über eine „Deutschland-Rente“ über Plus-Märkte. Verbraucherschützer hatten auch hier vom Kauf abgeraten und die fehlende Beratung angeprangert. Arag und Rheinland Versicherungsgruppe beendeten den Verkauf der Starterpakete für die Rente nach zehn Tagen vorzeitig.

„Wegen Erfolglosigkeit“, ätzt BdV-Geschäftsführerin Blunck. „Stimmt nicht“, sagt Thomas Kempen, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Rheinland. Aber die eigenen Außendienstler hätten „schon mit den Füßen gescharrt“, denn auch sie würden gern zügig die „Deutschland-Rente“ vermarkten. Deswegen sei man von den ursprünglich geplanten drei Wochen Verkauf im Discounter abgerückt.

Laut Kempen ging es den Versicherungen darum, das neue Produkt anzuschieben und über die Werbezettel der Kette – sie erreichen rund 22 Millionen Haushalte – bekannt zu machen. Beratung soll nachträglich unter anderem über den Außendienst der Anbieter erfolgen, zudem über Telefon und Internet. Doch für die Käufer des Pakets bei Plus rechnet sich die Schutzgebühr von knapp zehn Euro erst, wenn sie tatsächlich die Rente beantragen. Dann erhalten sie nach einem Jahr 20 Euro Bonus gutgeschrieben. Zusätzliche Einzahlungen können die Nutzer der „Deutschland-Rente“ über eingeschlossene Kreditkarte erwirtschaften. Verbraucherschützer warnen: Kunden der Versicherungen würden so zu unnötigem Mehrkonsum getrieben. Rheinland-Pressesprecher Kempen rechnet dagegen vor, dass die Discounter-Police mithilfe der Kreditkarte bis zu 60 Euro im Jahr zusätzliche Beiträge zur Rente einbringen kann – wenn der Kunde tatsächlich für 2000 Euro im Handel und für etwa 600 Euro in Online-Shops einkaufen würde. Die Stiftung Warentest beurteilt die Discounter-Rente lediglich als „durchschnittliches Angebot“. Die Kreditkarte sowie das damit nutzbare Bonusprogramm seien „Marketing-Gags“. Mit ähnlichen Vorwürfen sah sich wiederholt auch der Kaffee-Filialist Tchibo konfrontiert, der zunächst mit der Versicherung Axa kooperierte und seit 2004 mit der Gothaer-Tochter Asstel. Dort hieß es nach der Kritik, dass die Anbieter durch den Verzicht auf persönliche Beratung Geld sparen. Dadurch können – laut Tchibo – auch die Versicherungs-Produkte für den Endkunden billiger werden.
Kampfpreise für die Kfz-Versicherung im Kleiderkaufhaus
Diese Erfahrung haben zahlreiche Wechsler bei den Kfz-Versicherungen gemacht. In diesem kritischen Markt haben Direktversicherungen, die allenfalls auf Callcenter und Online-Beratungen setzen, den klassischen Vertreter-Versicherungen mit Kampfpreisen Kunden abgenommen. Der Konkurrenzkampf läuft auch über den Einzelhandel: Die Zürich-Tochter DA Direkt beispielsweise bietet bei der Bekleidungskette C&A eine Kfz-Versicherung an.

Die Versicherer drängen auch deswegen zunehmend in die Filialen der Händler, weil der Markt für Privatkunden enger wird: Die Unternehmen verzeichnen insgesamt weniger Wachstum. Für 2008 rechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit einem Plus von 1,5 Prozent bei den Beitrags-Einnahmen. 2007 hatten die 455 Mitgliedsunternehmen des GDV die Beitragseinnahmen nur um 0,8 (2006: 2,5) Prozent auf 163,2 Milliarden Euro gesteigert.

Quelle: www.welt.de

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Tags: Deutschland-Rente-Kreditkarte  25 Clicks



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